Inhalte der Arbeit

Neben dem personalen und dem räumlichen Angebot sind die Inhalte wichtige Grundsteine zur Gestaltung des Jugendzentrums. Für eine Konzeptionierung müssen die Bedarfe junger Menschen erfasst werden, welche mit ihren Bedürfnissen verknüpft sein müssen. Was bedeutet diese Erkenntnis konkret?  Um verantwortet handeln zu können, müssen Erkenntnisse über die jugendliche Bevölkerung vorliegen, um adäquate Handlungsmuster entwickeln zu können. Jugendarbeit, ob offen oder verbandlich gestaltet,  findet fast immer in der Freizeit junger Menschen statt. Die Freiwilligkeit der Teilnahme ist Grundlage der Arbeit und oberstes Gebot zugleich. 

Das bedeutet, es geht einerseits darum, ein attraktives Angebot vorzuhalten, damit junge Menschen die Einrichtung nutzen wollen, andererseits kann und darf niemand zur Nutzung verpflichtet werden.

Jugendliche sollen und müssen sich einmischen können. Die Grundwerte der Demokratie bilden auch das Regelwerk des Jugendzentrums, welche in der Interaktion zwischen Besuchern und den Mitarbeitern verdeutlicht und umgesetzt werden. Gerade für junge Menschen mit Migrationshintergrund bilden diese Berührungspunkte wichtige Orientierungen, welche hoch integrativ wirken. Beteiligungsgelegenheiten werden nach demokratischen Mustern organisiert. Die Gestaltung der Räumlichkeiten, der Entwurf und die Umsetzung von Freizeitangeboten oder auch die Organisation und Durchführung von jugendkulturellen Angeboten wie Diskoveranstaltungen oder Konzerten obliegt in weiten Bereichen auch dem Engagement der jugendlichen Nutzer.

Neben den freizeitpädagogischen Maßnahmen und Angeboten, bei denen Jugendliche ihre Bedürfnisse ausleben können, bildet ein weiterer Bereich das Fundament der inhaltlichen Ausrichtung des „Alten Stahlwerks“.

Unter dem Begriff der „Jugendsozialarbeit“ subsummieren sich alle Leistungen, welche dazu beitragen, jungen Menschen, die sozial benachteiligt sind, ausgleichende Leistungen anzubieten. Hierbei werden besonders die drei Sozialisationsbereiche „Familie“,  „Schule“, „Ausbildung/Beruf“ in den Fokus gerückt. Der Jugendliche ist nun nicht mehr Besucher und Nutzer, sondern Adressat von Leistungen, welche von den Fachkräften der Einrichtung entwickelt werden.

Eine pädagogische Kraft organisiert alle Unterstützungsleistungen mit dem Jugendlichen gemeinsam und agiert anwaltschaftlich als sog. „Case-Worker“. Sie begleitet alle Hilfeleistungen, die von den unterschiedlichen Kooperationspartnern des „Sozialen Netzwerkes“ erbracht werden. Netzwerk bedeutet hier, dass es Verbindungen zu den Institutionen im Sozialraum Melle gibt, die sich mit den unterschiedlichen Belangen junger Menschen auseinander setzen und Hilfen dazu anbieten. Zu nennen sind bspw. der regionale soziale Dienst des Jugendamtes, die MaßArbeit kAöR, das Sozialamt, die freien Träger und deren unterschiedlichen Institutionen, die Schulen, der Stadtjugendring u. a.. Dieses „Case-Work“ kann oft auch eine längere Zeit in Anspruch nehmen, gibt es doch Jugendliche, welche das Jugendzentrum schon mehrere Jahre begleitet.

Ein weiterer Bereich der Institution besteht in den Hilfen, welche sich als Unterstützung familiärer Strukturen widerspiegeln. Seit 2004 bietet das Jugendzentrum für schulpflichtige Kinder, deren Familien einen anerkannten Unterstützungsbedarf haben, einen Mittagstisch mit anschließender Hausaufgabenhilfe an. Mittlerweile werden vier Mal in der Woche ca. 30 Kinder mit diesem Angebot versorgt, welches nicht in Konkurrenz zur offenen Ganztagsschule steht, sondern zusätzlich Versorgungsleistungen zur Verfügung stellt, um auch hier gelingende Startchancen zu organisieren. Dieses Leistungspaket ist nur durch die Unterstützung der „Meller Tafel“ und durch Spenden zu ermöglichen, da es im Grenzbereich der Zuständigkeiten der Einrichtung liegt. Die Erkenntnis, dass der Alltag das Handeln bestimmt, führte dazu, diese Maßnahme in das Handlungskonzept zu integrieren.

Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit in all ihren Facetten sind die beiden tragenden Säulen der Einrichtung. Darüber hinaus engagiert sich das Haus mit Aktionen beim Ferienpass, organisiert zusammen mit anderen Angebote für die jährlich Melle besuchenden Kinder aus Gomel/Tschernobyl oder präsentiert sich mit Aktivitäten beim „Fabelhaftes Melle“ oder beim „Else-Werre-Radtag“.  Die Zusammenarbeit mit den Meller Musikvereinen und die daraus resultierenden Konzertveranstaltungen runden die Angebotspalette ab.

Wichtig zur Durchführung der beschriebenen Leistungen ist es für die Einrichtung, dynamisch organisiert zu sein. Mittlerweile ist das „Alte Stahlwerk“ wochentäglich von 9.00 Uhr bis 20.00 Uhr geöffnet. Ab 11.30 Uhr kommen die Kinder zur Mittagsbetreuung und Hausaufgabenhilfe, die bis 16.00 Uhr angeboten wird. Ab 16.00 Uhr kann der offene Freizeitbereich bis 20.00 Uhr genutzt werden. Dienstags ist das Haus ab 16.00 Uhr nur für Kinder geöffnet. Freitags ist von 16:00 bis 21.00 Uhr der offene Jugendbreich für Jugendliche ab 13 Jahren geöffnet. Am Samstag steht die Einrichtung von 15.00 Uhr bis 19.00 Uhr Jugendlichen zur Verfügung.

Diese Zeiten und die oben beschriebenen Tätigkeitsfelder bilden keinesfalls ein für alle Zeiten gültiges Konstrukt, sondern resultieren aus den Erkenntnissen über die Lebenswelt junger Menschen im Raum Melle, welche Nutzer der Angebote und/oder Adressaten der Leistungen sind. Über 120 junge Menschen aus den unterschiedlichsten kulturellen Kontexten und deren Familien profitieren zur Zeit von der Einrichtung, Mit dem Wegbrechen der jetzigen Generation und der Nutzung einer kommenden werden sich die Zuschnitte der Organisation weiterentwickeln und sich mit den neuen Gegebenheiten des Alltages abgleichen müssen und dadurch verändern.

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